Regelaltersgrenze für die Rente und die Entwicklung von Lebenserwartung beziehungsweise deren Ungleichheiten

Drucksache 21/5099Antwortauf die Kleine Anfrage 21/464626.03.202622 Seiten13 FragenFraktion Die LinkeBundesministerium für Arbeit und SozialesGesellschaftspolitik, soziale GruppenSoziale Sicherung1 Anlage als PDF
Vorbemerkung der Fragesteller

Vorbemerkung der Fragesteller

Seit 2012 wird die Regelaltersgrenze für die Rente in Deutschland schrittweise von 65 auf 67 Jahre im Jahr 2031 angehoben. Bereits vor Abschluss dieses Prozesses werden innerhalb der Bundesregierung (etwa durch die Bundesministerin für Wirtschaft und Energie) Forderungen nach einer weiteren Anhebung der Regelaltersgrenze ab 2031 laut. Sowohl die aktuelle Anhebung als auch die Forderungen nach weiteren Anhebungen werden häufig mit dem Anstieg der Lebenserwartung in Deutschland begründet. Vor diesem Hintergrund verfolgt diese Kleine Anfrage das Ziel, die Entwicklung der Lebenserwartung in Deutschland seit Anhebung der Regelaltersgrenze und das Renteneintrittsverhalten einiger der von der Anhebung betroffenen Geburtsjahrgänge zu beleuchten. Dies erscheint insbesondere vor dem Hintergrund der seit 2011 (also bereits vor der COVID-19-Pandemie) festgestellten Verlangsamung des Anstiegs der Lebenserwartung in Deutschland und einigen anderen OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung)-Ländern sowie der durch die COVID-19-Pandemie verursachten Übersterblichkeit wichtig (siehe Veena S. Raleigh, Trends in Life Expectancy in EU and Other OECD Countries, OECD Health Working Paper No. 108 (2019)).

In den aktuellen Diskussionen um eine Anhebung der Regelaltersgrenze wird von den oben genannten Akteuren sowie von einigen in der Politikberatung aktiven Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vorgeschlagen, die Regelaltersgrenze an die Lebenserwartung zu koppeln. Da die Entwicklung der gesamtdeutschen Lebenserwartung bestehende Ungleichheiten jedoch verschleiert, besteht bei diesem Vorschlag das Potenzial, diese Ungleichheiten zu verschärfen. Sowohl international als auch in Deutschland gibt es Hinweise auf eine Zunahme der Lebenserwartungsungleichheiten zwischen sozioökonomischen Gruppen (s. z. B. Christopher Lübker and Fabrice Murtin, Educational Inequalities in Longevity among OECD Countries around 2016, OECD Papers on Well-being and Inequalities no. 8, vol. 8 (2022); Olga Grigoriev and Gabriele Doblhammer, „Changing Educational Gradient in Long-Term Care-Free Life Expectancy among German Men, 1997–2012,“ PLOS ONE 14, no. 9 (2019)). Beispielsweise weisen die auf DRV (Deutsche Rentenversicherung)-Daten basierenden Berechnungen von Wenau et al. darauf hin, dass die Lebenserwartungslücke zwischen Männern im höchsten und niedrigsten Entgeltpunktequintil im Zeitraum von 1997 bis 2016 sowohl im Westen als auch im Osten um circa ein Jahr und neun Monate gestiegen ist (Georg Wenau et al., „Socioeconomic Disparities in Life Expectancy Gains among Retired German Men, 1997–2016“; Journal of Epidemiology and Community Health 73, no. 7 (2019)). Die bestehende Empirie legt also nahe, dass die sozioökonomisch bereits benachteiligten Gruppen von dem Anstieg der Lebenserwartung in Deutschland weniger profitiert haben. Die Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamts weisen zudem auf regionale Unterschiede bei der Entwicklung der Lebenserwartung hin, beispielsweise zwischen den alten und den neuen Bundesländern. Ein weiteres Ziel dieser Kleinen Anfrage ist es daher, genauere Erkenntnisse über die regionalen und sozioökonomischen Ungleichheiten bei der Entwicklung der Lebenserwartung zu erlangen.

Da die weitere Untersuchung der Mortalitätsunterschiede zwischen verschiedenen Gruppen für eine sozial gerechte Gestaltung von Politikmaßnahmen unabdingbar ist, jedoch aufgrund der Datenlage in Deutschland erschwert wird (siehe Olga Grigoriev, „Sozioökonomische Unterschiede in Der Sterblichkeit in Deutschland. Was Ist Bekannt Und Wo Liegen Potenziale Der Amtlichen Statistik?,“ WISTA – Wirtschaft Und Statistik 4 (2025)), versucht diese Kleine Anfrage zudem Informationen über die Pläne der Bundesregierung zur Verbesserung der Datenlage bei der Erforschung von Mortalitätsunterschieden zu erhalten.

Frage 1 Seite 2

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die fernere Lebenserwartung der 65-Jährigen (ermittelt anhand von Periodensterbetafeln) in Deutschland, Ost- und Westdeutschland sowie in den jeweiligen Bundesländern seit 2012 entwickelt (bitte die Zeitreihen für die Lebenserwartung von Frauen, von Männern und die geschlechtsunabhängige Lebenserwartung angeben)?

Antwort

Die geschlechtsunabhängige Lebenserwartung liegt nur für Deutschland insgesamt vor und ist in der nachfolgenden Tabelle 1 aufgeführt. Die Daten beziehen sich jeweils auf Dreijahreszeiträume (z. B. 2011/2013). Die nach Gebietsständen und Geschlecht differenzierten Werte sind in den Tabellen 2 bis 4 wiedergegeben.

Tabelle 1: Fernere Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren in Deutschland seit 2011/2013 in Jahren – nach Geschlecht

Tabelle auf Seite 2 · 12 Zeilen × 4 Spalten
JahreGesamtMännerFrauen
2011/201319,3017,5520,79
2012/201419,4217,6920,90
2013/201519,4217,7120,90
2014/201619,5317,8121,03
2015/201719,5017,8021,00
2016/201819,5617,8721,06
2017/201919,6117,9421,11
2018/202019,6017,9221,12
2019/202119,5417,8321,09
2020/202219,3317,6320,90
2021/202319,2117,5020,76
2022/202419,3817,7120,91

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), 2026 Tabelle 2: Fernere Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren seit 2011/2013 in Jahren – Männer, alte Bundesländer

Tabelle auf Seite 3 · 12 Zeilen × 13 Spalten
JahreWestdeutschlandBaden- WürttembergBayernBerlinBremenHamburgHessenNiedersachsenNordrhein- WestfalenRheinland- PfalzSaarlandSchleswig- Holstein
2011/1317,6418,2717,8717,6017,1917,6517,8517,4017,2717,4716,9217,58
2012/1417,7718,3818,0417,7217,3817,8217,9917,4917,4117,6017,0517,72
2013/1517,8018,4318,0717,7217,3417,9017,9417,5417,4417,6317,0017,66
2014/1617,9018,4918,1617,7817,6318,0518,0717,6517,5517,7717,1617,73
2015/1717,8918,4618,1617,7917,4917,9518,0417,6617,5417,7617,2117,70
2016/1817,9618,5318,2717,8717,5117,8718,1617,7117,6117,8217,3117,73
2017/1918,0318,6018,3618,0117,5417,8918,2217,7917,6817,8817,2517,84
2018/2018,0318,6018,3117,8617,5717,9018,2017,8217,6717,9217,1917,92
2019/2117,9918,5418,2017,8017,5417,9318,1117,8317,6417,9417,1318,01
2020/2217,8018,4318,0117,5417,3517,7817,9217,6017,4417,7316,9017,79
2021/2317,6418,3817,8917,4817,1317,4717,7417,3717,2617,5416,8917,54
202202417,8218,6018,1517,6217,1117,5917,9117,4717,4417,6617,1017,61

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), 2026 Tabelle 3: Fernere Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren seit 2011/2013 in Jahren – Männer, neue Bundesländer

Tabelle auf Seite 4 · 12 Zeilen × 7 Spalten
JahreOstdeutschland (ohne Berlin)BrandenburgMecklenburg- VorpommernSachsenSachsen- AnhaltThüringen
2011/201317,1917,2817,0217,5316,7017,10
2012/201417,3317,3917,2017,6416,8417,22
2013/201517,3417,4617,2117,7116,7817,22
2014/201617,4517,5817,3617,8116,9117,32
2015/201717,4417,6017,3017,7916,8717,32
2016/201817,4817,6717,3317,8216,9117,38
2017/201917,5417,7417,3617,8716,9617,47
2018/202017,4517,6317,4417,6216,9917,45
2019/202117,1717,3517,3417,2616,7717,13
2020/202216,9517,1317,1017,1016,4716,90
2021/202316,9217,1016,7217,2716,3216,86
2022/202417,2417,4016,9317,6716,5617,25

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), 2026 Tabelle 4: Fernere Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren seit 2011/2013 in Jahren – Frauen, alte Bundesländer

Tabelle auf Seite 5 · 12 Zeilen × 13 Spalten
JahreWestdeutschlandBaden- WürttembergBayernBerlinBremenHamburgHessenNiedersachsenNordrhein- WestfalenRheinland- PfalzSaarlandSchleswig- Holstein
2011/1320,8221,3420,9420,8320,7520,9120,8820,7120,5420,6820,3220,60
2012/1420,9221,4621,0720,9220,8721,0320,9920,8020,6220,7820,4020,73
2013/1520,9121,4421,0821,0320,8721,0520,9920,7920,6120,7920,3520,80
2014/1621,0221,5021,2121,1520,9621,1221,1220,8720,7420,8820,4520,92
2015/1720,9921,4721,1821,1220,8721,1321,0720,8320,7320,8420,4220,83
2016/1821,0621,5821,3021,1220,8221,1821,1620,8620,7720,9320,3820,80
2017/1921,1021,6121,3221,2421,0421,2721,2020,9420,8120,9520,3420,85
2018/2021,1121,6221,3321,1720,9921,2121,2020,9720,8120,9920,3420,99
2019/2121,1021,6021,2421,2321,0421,2421,1221,0220,8120,9820,3321,06
2020/2220,9021,4721,0921,0320,6920,9420,9420,7920,5820,8020,1620,81
2021/2320,7321,3520,9820,9420,4920,7120,8020,5420,3720,6520,0120,56
202202420,8421,5321,1721,0620,5420,7620,8820,5920,4620,7120,1620,61

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), 2026 Tabelle 5: Fernere Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren seit 2011/2013 in Jahren – Frauen, neue Bundesländer

Tabelle auf Seite 6 · 12 Zeilen × 7 Spalten
JahreOstdeutschland (ohne Berlin)BrandenburgMecklenburg- VorpommernSachsenSachsen- AnhaltThüringen
2011/201320,6720,6220,6021,0720,3320,40
2012/201420,8320,7720,7321,2220,4520,58
2013/201520,8420,8020,8121,2420,4820,64
2014/201621,0421,0121,0021,4120,6320,84
2015/201721,0521,0221,0421,4320,6720,78
2016/201821,0921,0821,0521,4920,7020,84
2017/201921,1721,2021,1621,5620,7520,89
2018/202021,1621,2421,1621,4020,8021,02
2019/202121,0321,1721,1321,2420,7020,81
2020/202220,8721,0020,9021,1120,4720,70
2021/202320,8720,9320,6421,2820,4120,69
2022/202421,1421,1420,8421,6120,6021,10

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), 2026

Frage 2 Seite 6

Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung das durchschnittliche Renteneintrittsalter der Geburtskohorten von 1947 bis 1957 (bitte für jeden Geburtsjahrgang getrennt nach Frauen und Männern ausweisen)?

Antwort

Die erbetenen Informationen können der nachfolgenden Tabelle 6 entnommen werden.

Tabelle 6: Durchschnittliches Rentenzugangsalter (in Jahren) in Renten wegen Alters nach ausgewählten Geburtsjahrgängen und nach Geschlecht

Tabelle auf Seite 6 · 11 Zeilen × 4 Spalten
Geburtsjahr des/der VersichertenInsgesamtMännerFrauen
194763,463,563,3
194863,563,763,3
194963,663,863,4
195063,663,963,4
195163,763,963,4
195264,264,264,2
195364,364,364,3
195464,464,464,5
195564,664,664,6
195664,664,664,6
195764,764,764,7

Quelle: Statistik der Deutschen Rentenversicherung – Rentenneuzugang 2001 bis 2024, Sonderauswertung mit Berechnung auf Basis monatsgenauer Zugangsalter

Frage 3 Seite 7

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Renteneintrittswahrscheinlichkeit in jedem Alter zwischen 60 und 67 seit 2005 entwickelt (bitte für jede Rentenart getrennt nach Frauen und Männern ausweisen)?

Antwort

Statistische Daten oder Berechnungen über die Renteneintrittswahrscheinlichkeiten in der Vergangenheit in die Rente zugegangener Personen liegen der Bundesregierung nicht vor. In der Statistik der Deutschen Rentenversicherung liegt die Anzahl der Rentenzugänge nach (Einzel-) Alter bei Rentenbeginn vor, die in der erbetenen Differenzierung den Tabellen im Anhang entnommen werden können.* Daten für das Jahr 2025 liegen noch nicht vor.

Frage 4 + 4a + 4b Seite 7

4Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2012 die Ungleichheiten bei der ferneren Lebenserwartung der 65-Jährigen

4azwischen Ost- und Westdeutschland sowie

4bzwischen den Bundesländern entwickelt (bitte für Frauen und Männer getrennt ausweisen und für die zweite Teilfrage die Entwicklung der Differenz zwischen der Lebenserwartung in den Bundesländern mit der höchsten und der niedrigsten Lebenserwartung angeben)?

Antwort

Die Daten zu den Unterschieden in der ferneren Lebenserwartung sind in der nachfolgenden Tabelle 7 wiedergegeben. Bis zum Zeitraum 2021/2023 hatte Baden-Württemberg bei Männern und Frauen die höchste Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren; bei Männern galt dies auch noch für 2022/2024. Bei Frauen lag in 2022/2024 Sachsen vorn. Die niedrigsten Werte verzeichneten durchgehend Männer in Sachsen-Anhalt und Frauen im Saarland.

Tabelle 7 Differenzen in der ferneren Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren nach Gebiet und Geschlecht seit 2011/2013 in Jahren

Tabelle auf Seite 7 · 12 Zeilen × 5 Spalten
JahreDifferenz West-Ost MännlichDifferenz West-Ost WeiblichDifferenz Bundesländer Max-Min MännlichDifferenz Bundesländer Max-Min Weiblich
2011/2013+0,4+0,1+1,6+1,0
2012/2014+0,4+0,1+1,5+1,1
2013/2015+0,5+0,1+1,7+1,1
2014/2016+0,4-0,0+1,6+1,1
2015/2017+0,4-0,1+1,6+1,1
2016/2018+0,5-0,0+1,6+1,2
2017/2019+0,5-0,1+1,6+1,3
2018/2020+0,6-0,1+1,6+1,3
2019/2021+0,8+0,1+1,8+1,3
2020/2022+0,9+0,0+2,0+1,3
2021/2023+0,7-0,1+2,1+1,3
2022/2024+0,6-0,3+2,0+1,5

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), 2026

Frage 5 Seite 8

Wie wird sich nach Kenntnis der Bundesregierung die fernere Lebenserwartung der 65-Jährigen in Deutschland bis 2030 voraussichtlich entwickeln (bitte die voraussichtliche Entwicklung der Lebenserwartung von Frauen, von Männern und die geschlechtsunabhängige Lebenserwartung angeben)?

Antwort

Die Daten sind in der nachfolgenden Tabelle 8 aufgeführt. Die Werte beziehen sich auf die 16. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamts, in deren Rahmen drei verschiedene Annahmen zur Entwicklung der Lebenserwartung nach Geschlecht getroffen wurden. Geschlechtsunabhängige Werte liegen nicht vor.

Tabelle 8: Entwicklung der Lebenserwartung im Alter 65 in Deutschland bis 2030 nach Geschlecht lt. Annahmen der 16. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung

Tabelle auf Seite 8 · 6 Zeilen × 7 Spalten
Lebenserwartung202520262027202820292030
L1 – Männlich18,018,118,118,218,218,3
L2 – Männlich18,218,418,418,518,618,7
L3 – Männlich18,318,618,718,819,019,1
L1 – Weiblich21,221,221,221,321,321,3
L2 – Weiblich21,321,421,521,521,621,7
L3 – Weiblich21,421,621,721,821,922,0

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), 2026

Frage 6 Seite 8

Wann wird die fernere Lebenserwartung der 65-Jährigen in Deutschland nach Kenntnis der Bundesregierung voraussichtlich um zwei bzw. drei Jahre höher liegen als im Jahr 2012 (bitte für Männer und Frauen getrennt angeben)?

Antwort

Aus dem Vergleich der Sterbetafel 2011/2013 (vgl. die Antwort zu Frage 1) und den Annahmen der 16. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung (vgl. die Antwort zu Frage 5) ergibt sich:

Für Männer wird die fernere Lebenserwartung der 65-Jährigen im Vergleich zu 2012 frühestens im Jahr 2035 (Annahme L3) und spätestens im Jahr 2056 um zwei Jahre gestiegen sein (Annahme L1); für Frauen frühestens im Jahr 2039 (Annahme L3) und spätestens im Jahr 2069.

Für Männer wird die fernere Lebenserwartung der 65-Jährigen im Vergleich zu 2012 frühestens im Jahr 2044 (Annahme L3) um drei Jahre gestiegen sein. Bei der Annahme L1 wird diese Differenz im Vorausberechnungszeitraum nicht erreicht. Für Frauen wird die fernere Lebenserwartung der 65-Jährigen frühestens im Jahr 2050 um drei Jahre gestiegen sein (Annahme L3). Bei der Annahme L1 wird diese Differenz im Vorausberechnungszeitraum ebenfalls nicht erreicht.

Frage 7 Seite 8

Wie bewertet die Bundesregierung vor dem Hintergrund eventueller regionaler Unterschiede bei der Entwicklung der Lebenserwartung die Forderung der Wirtschaftsministerin, die Regelaltersgrenze nach 2031 an die Lebenserwartung zu koppeln?

Antwort

Auf die Antwort zu den Fragen 9 und 10 wird verwiesen.

Frage 8 Seite 9

Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zur Entwicklung der Lebenserwartungsungleichheiten zwischen sozioökonomischen Gruppen (nach Bildungsgrad, Einkommen sowie Beruf) in Deutschland vor?

Antwort

In der sozialepidemiologischen Forschung und Gesundheitsberichterstattung ist umfassend belegt, dass ein enger Zusammenhang zwischen sozioökonomischer und gesundheitlicher Lage besteht. Sowohl die materiell zur Verfügung stehenden Ressourcen (Einkommen), Bildung als auch Faktoren der Wohn- und Arbeitsbedingungen, wie Arbeitsbelastung, stehen mit dem Gesundheitszustand in Zusammenhang, ebenso wie individuelles Verhalten und Gesundheitskompetenz. Die Wirkmechanismen sind dabei komplex und vielfältig. So wirkt Bildung beispielsweise über verschiedene Mechanismen auf die Gesundheit und Lebenserwartung, z. B. indem sie Faktoren wie die Erwerbs- und Einkommenschancen, die Arbeits- und Wohnbedingungen oder das Gesundheitsverhalten beeinflusst, die dann auf die gesundheitliche Entwicklung wirken. Außerdem kann ein schlechter Gesundheitszustand auch Rückwirkungen auf das Einkommen haben, da z. B. die Teilhabe am Erwerbsleben eingeschränkt ist.

Studien, die den Einfluss sozioökonomischer Unterschiede auf Krankheitslast und Lebenserwartung untersuchen, wählen daher meist eine oder mehrere der oben genannten Dimensionen als sozioökonomisches Differenzierungsmerkmal. Dabei ist zu beachten, dass hier zunächst statistische Korrelationen beschrieben werden, die keine kausalen Zusammenhänge mit einzelnen sozioökonomischen Faktoren darstellen.

Im Übrigen wird auf den Siebten Armuts- und Reichtumsbericht (Kapitel C.4.2) verwiesen.

Frage 9 + 10 Seite 9

9Wie bewertet die Bundesregierung vor dem Hintergrund der in der Einführung beschriebenen wachsenden Lebenserwartungsungleichheiten, die darauf hindeuten, dass sozioökonomisch benachteiligte Menschen möglicherweise unterdurchschnittlich von Lebenserwartungsgewinnen profitieren, die Vorschläge zur Kopplung der Regelaltersgrenze an die Lebenserwartung?

10Sieht die Bundesregierung die Gefahr, dass eine Kopplung der Regelaltersgrenze an die Lebenserwartung bestehende soziale Ungleichheiten im Alter (z. B. hinsichtlich der Rentenbezugsdauer) weiter verschärft, und wenn nein, warum nicht?

Antwort

Die Fragen 9 und 10 werden gemeinsam beantwortet.

Mit der Frage einer möglichen Verlängerung der Lebensarbeitszeit wird sich die von der Bundesregierung im Dezember 2025 eingesetzte Alterssicherungskommission befassen. In ihre Überlegungen soll sie auch die Wirkungen verschiedener Reformansätze auf unterschiedliche Bevölkerungsgruppen einbeziehen. Die Vorschläge der Kommission, die zum Ende des zweiten Quartals 2026 vorgelegt werden sollen, bleiben abzuwarten.

Frage 11 + 12 Seite 9

11Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung hinsichtlich der Mortalitätsunterschiede und Lebenserwartungsungleichheiten in Deutschland zwischen verschiedenen sozioökonomischen Gruppen (nach Bildungsgrad, Einkommen sowie Beruf) vor?

12Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zu den Unterschieden in der sogenannten gesunden Lebenserwartung (Healthy Life Expectancy) verschiedener sozioökonomischer Gruppen (nach Bildungsgrad, Einkommen und Beruf) sowie zur Entwicklung dieser Unterschiede vor?

Antwort

Die Fragen 11 und 12 werden gemeinsam beantwortet.

Es wird auf die Antwort zu Frage 8 verwiesen.

Frage 13 Seite 10

Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Lebenserwartung von Neugeborenen sowie die fernere Lebenserwartung von 65-Jährigen in den Ländern der EU-15 (bitte für jedes Land nach Frauen und Männern getrennt ausweisen)?

Antwort

Die Daten werden von Eurostat veröffentlicht und sind in Tabelle 9 wiedergegeben. In Bezug auf die EU-15 fehlen aktuelle Daten für das Vereinigte Königreich, die von Eurostat nicht mehr zur Verfügung gestellt werden.

Tabelle 9: Lebenserwartung bei Geburt und im Alter 65 nach Geschlecht in Ländern der EU-15 (außer Vereinigtes Königreich) im Jahr 2024

Tabelle auf Seite 10 · 14 Zeilen × 5 Spalten
Lebenserwartung……bei Geburt – männlich…im Alter von 65 Jahren – männlich…bei Geburt – weiblich…im Alter von 65 Jahren – weiblich
Belgien80,319,184,422,0
Dänemark80,218,783,921,3
Deutschland78,918,083,521,2
Irland81,419,884,722,2
Griechenland79,418,784,421,8
Spanien81,419,886,523,7
Frankreich80,219,985,823,6
Italien81,619,985,722,7
Luxemburg81,019,585,522,5
Niederlande80,518,983,320,9
Polen74,816,382,220,3
Portugal79,719,385,222,6
Finnland79,618,784,822,2
Schweden82,320,285,322,4

Quelle: Eurostat, 2026

Frage 14 Seite 10

Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Quoten von Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfähigkeit und Erwerbsminderung in jedem Alter zwischen 60 und 67 seit dem Jahr 2005 entwickelt (bitte für jedes Alter getrennt angeben)?

Antwort

Arbeitslosenquoten für die Altersgruppen der 60- bis unter 65-Jährigen können dem Bericht „Arbeitsmarkt für Ältere – Deutschland (Monatszahlen)“ der Bundesagentur für Arbeit, Tabelle 3.4 entnommen werden (https://statistik.arbeitsag entur.de/SiteGlobals/Forms/Suche/Einzelheftsuche_Formular.html?nn=24758 &topic_f=analyse-d-arbeitsmarkt-aeltere). Daten früherer Jahre sind in den ausgeblendeten Zeilen zu finden. Die Zeitreihe der jahresdurchschnittlichen Ergebnisse beginnt im Jahr 2008. Ältere Jahresergebnisse zu den Arbeitslosenquoten der 60- bis unter 65-Jährigen auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen liegen nicht vor. Da die Bezugsgrößen der Arbeitslosenquoten nur in 5-Jahres-Schritten der Altersklassen vorliegen, können keine Arbeitslosenquoten nach Einzelaltersjahren berechnet werden.

Eine vergleichbare Quote für Erwerbsminderung liegt in der Statistik der Deutschen Rentenversicherung Bund nicht vor. Die statistische Quote für Arbeitsunfähigkeit bezieht sich auf Krankheitstage pro Beschäftigten, deren Entwicklung unter www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Qualitaet-Arbeit/Dimension-2/krankenstand.html abgerufen werden kann.

Frage 15 Seite 11

Welche Pläne hat die Bundesregierung, um die Datenlage für die Untersuchung von Mortalitätsunterschieden zwischen verschiedenen sozioökonomischen Gruppen zu verbessern (z. B. durch Ergänzung der amtlichen Statistik der Sterbefälle um sozioökonomische Indikatoren; bitte einen Zeitplan angeben)?

Antwort

Die Bundesregierung hat derzeit keine Pläne entsprechend der Fragestellung. Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 8 verwiesen.

Anlage
AnlageTabellenanhang

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