Todesopfer unter Flüchtenden auf dem Weg in die Bundesrepublik Deutschland und die Europäische Union im Jahr 2025

Drucksache 21/6451Antwortauf die Kleine Anfrage 21/619510.06.20264 Seiten12 FragenFraktion Die LinkeBundesministerium des InnernEuropapolitik und Europäische UnionMigration und Aufenthaltsrecht
Vorbemerkung der Fragesteller

Vorbemerkung der Fragesteller

Nach Angaben des Missing-Migrants-Projekts der Internationalen Organisation für Migration starben oder verschwanden im Jahr 2025 mindestens 2 185 Menschen bei dem Versuch, die EU über das Mittelmeer zu erreichen. Seit 2014 sind fast 35 000 Menschen auf der Flucht über das Mittelmeer ertrunken (https://missingmigrants.iom.int/region/mediterranean). Nach Einschätzungen von zivilgesellschaftlichen Initiativen liegt die Zahl derer, die tatsächlich auf dieser Fluchtroute ihr Leben verloren haben, jedoch noch weitaus höher. Die Gruppe „Watch the Med Alarm Phone“ dokumentierte etwa in der zweiten Jahreshälfte 2020 nach eigenen Angaben über Kontakte zu Angehörigen von Verstorbenen, Überlebenden von Schiffsunglücken und lokalen Fischern Hunderte Todesfälle, die in keiner offiziellen Statistik auftauchen (https://alarmpho ne.org/en/2021/01/14/a-struggle-for-every-single-boat/).

Noch größer als die Zahl der Ertrunkenen im Mittelmeer ist die Zahl derer, die bei der Durchquerung der Sahara ihr Leben verlieren. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) schätzt, dass dort zwischen 2014 und 2018 mindestens 30 000 Menschen verschwunden sind. Ein UN-Bericht von Juli 2024 dokumentiert Aussagen von Geflüchteten zu Überfällen, sexualisierter Gewalt, Erpressung und weiteren Formen von Gewalt während der Sahara-Durchquerung. Viele Menschen überleben diese Misshandlungen nicht, oder sie werden krank und ohne Hilfe zurückgelassen (www.unhcr.org/at/news/pre ss-releases/unhcr-iom-mmc-bericht-zu-gewalt-und-gefahren-auf-afrikanische n-landrouten).

An den Landgrenzen der EU, etwa in Griechenland, Ungarn, Kroatien und Polen, kommt es laut Berichten von Menschenrechtsorganisationen regelmäßig zu illegalen Pushbacks. Demnach werden Schutzsuchende an den Grenzen mit brutaler Gewalt zurückgeprügelt, ausgeraubt und gedemütigt. Tausende solcher Fälle sind etwa im „Black Book of Pushbacks“ dokumentiert (https://left.eu/issues/publications/black-book-of-pushbacks-2022/). Auch nach der Überwindung der militarisierten EU-Außengrenzen sind Geflüchtete oft nicht sicher, ist es nach Einschätzung von Beobachtern vielmehr zu weiteren Menschenrechtsverletzungen gekommen. Besonders dramatisch sind die Zustände in den Lagern auf den griechischen Inseln. Mit der Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems ist auch nach Ansicht der fragestellenden Fraktion eine Ausweitung und Verallgemeinerung dieser Zustände zu befürchten (www.proasyl.de/news/griechische-verhaeltnisse-bald-ueberall-in-eur opa/). Nach Angaben des Missing-Migrants-Projektes kamen zwischen 2014 und 2025 fast 1 500 Menschen auf der (Weiter-)Flucht innerhalb Europas ums Leben oder verschwanden (https://missingmigrants.iom.int/region/europe?regi on_incident=All&route=All&incident_date%5Bmin%5D=&incident_date%5 Bmax%5D=).

Frage 1 + 1a Seite 2

1Wie viele Personen sind nach Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2025

1aan den Landesgrenzen, Küsten, Seehäfen, Flughäfen bzw. im Grenzgebiet der Bundesrepublik Deutschland tot aufgefunden worden oder ums Leben gekommen,

Antwort

Nach Kenntnis der Bundesregierung kam im Jahr 2025 keine Person an den Land-, See- und Luftgrenzen bzw. im Grenzgebiet Deutschlands ums Leben.

Frage 1b + 1c Seite 2

1ban den Grenzen der Europäischen Union tot aufgefunden worden oder ums Leben gekommen,

1cin Flüchtlingsunterkünften, Hotspots, Abschiebegefängnissen und Transitzonen in Dublin-Staaten ums Leben gekommen,

Antwort

Eine Statistik der Europäischen Union für das Jahr 2025 ist der Bundesregierung nicht bekannt.

Frage 1d Seite 2

in den verschiedenen Formen von Flüchtlingsunterkünften, Ausreisegewahrsam, Abschiebegefängnissen in Deutschland ums Leben gekommen (bitte in den einzelnen Unterfragen jeweils nach Datum, Ort, Staatsangehörigkeit und Sachverhalt differenziert darstellen)?

Antwort

Der Vollzug des Aufenthaltsgesetzes obliegt den Ländern. Entsprechende Statistiken der Länder sind der Bundesregierung nicht bekannt und eine von den Ländern belieferte Bundesstatistik gibt es nicht.

Frage 2 + 3 Seite 2

2Wie viele Suizide und Suizidversuche (bitte differenzieren) hat es nach Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2025 in Flüchtlingsunterkünften und Abschiebegefängnissen in Deutschland gegeben (bitte einzeln mit Datum, Ort, Art der Unterbringung, Staatsangehörigkeit und kurzer Sachverhaltsschilderung auflisten)?

3Wie viele Fälle von Selbstverletzungen sind der Bundesregierung aus Flüchtlingsunterkünften und Abschiebegefängnissen im Jahr 2025 in Deutschland bekannt (bitte einzeln mit Datum, Ort, Art der Unterbringung, Staatsangehörigkeit und kurzer Sachverhaltsschilderung auflisten)?

Antwort

Die Fragen 2 und 3 werden gemeinsam beantwortet.

Der Vollzug des Aufenthaltsgesetzes obliegt den Ländern. Entsprechende Statistiken der Länder sind der Bundesregierung nicht bekannt und eine von den Ländern belieferte Bundesstatistik gibt es nicht.

Frage 4 + 4a Seite 3

4Wie viele Personen sind nach Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2025 mit körperlichen Verletzungen und Beeinträchtigungen durch Erfrierungen, Unterkühlungen, Hunger, Durst o. Ä. aufgegriffen worden, die sich mit hoher Wahrscheinlichkeit im Zuge ihres ggf. unerlaubten Grenzübertritts

4ain die Bundesrepublik Deutschland,

Antwort

Nach Kenntnis der Bundesregierung erlitten im Jahr 2025 im Sinne der Fragestellung insgesamt neun Personen körperliche Verletzungen und/oder Beeinträchtigungen, keine der Personen ist an diesen Verletzungen bzw. Beeinträchtigungen verstorben.

Weitere Erkenntnisse können der nachfolgenden Übersicht entnommen werden.

Tabelle auf Seite 3 · 6 Zeilen × 5 Spalten
DatumOrtTransport­ mittelAnzahl und Nationalität der verletzten PersonenArt der Verletzung
13. Juni 2025Nadrensee (MV)Pkw-1afghanischUnterbauchschmerzen, Einweisung Krankenhaus
3. Juli 2025Ferdinandshof (MV)Lkw-1afghanischVerletzungen an den Händen
4. Juli 2025Ellhöft (SH)Pkw-1syrischPerson klagt über Herzprobleme, RTW angefordert
16. Juli 2025Bismark (MV)fußläufig-2afghanischBeide Personen mit Kreislaufproblemen, Einweisung Krankenhaus
31. Juli 2025Hohenfelde (MV)fußläufig-1afghanischVerletzungen an der Hand, RTW angefordert
2. August 2025Plöven (MV)fußläufig-3afghanischDiverse oberflächliche Verletzungen der Haut, RTW angefordert
Frage 4b Seite 3

in die Europäische Union zugezogen haben, und wie viele dieser Personen sind an den Folgen dieser Verletzungen bzw. Beeinträchtigungen verstorben (bitte nach Datum und Ort, Staatsangehörigkeit des Opfers und Art der Verletzung aufschlüsseln und soweit möglich das Transportmittel angeben)?

Antwort

Erkenntnisse im Sinne der Fragestellung liegen der Bundesregierung nicht vor.

Frage 5 + 5a Seite 3

5Wie viele Personen wurden nach Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2025 im Zuge ihres ggf. unerlaubten Grenzübertritts

5adurch Bundespolizei oder Zollbeamte in Deutschland bzw.

Antwort

Nach Kenntnis der Bundesregierung wurden im Jahr 2025 keine Personen im Zuge ihres unerlaubten Grenzübertritts mittels der Anwendung unmittelbaren Zwangs bzw. im Zuge einer entsprechenden Nacheile körperlich verletzt oder versehrt.

Frage 5b Seite 3

durch Bundespolizei- oder Zollbeamte an den Außengrenzen der Europäischen Union mittels der Anwendung unmittelbaren Zwangs bzw. im Zuge einer entsprechenden Nacheile körperlich verletzt oder versehrt (bitte jeweils einzeln mit Datum, Ort, Staatsangehörigkeit und kurzer Sachverhaltsschilderung auflisten)?

Antwort

Erkenntnisse im Sinne der Fragestellung liegen der Bundesregierung nicht vor. Die Daten werden nicht statistisch erfasst.

Frage 5c Seite 4

Wie viele Ermittlungs- und Disziplinarverfahren wurden diesbezüglich eingeleitet und mit welchem Ergebnis abgeschlossen oder eingestellt (bitte aufschlüsseln)?

Antwort

Im Sinne der Fragestellung wurden keine disziplinarrechtlichen Verletzungen erkannt. Insofern wurden auch keine Ermittlungs- und Disziplinarverfahren eingeleitet.

Frage 6 + 6a Seite 4

6Wie viele Personen wurden nach Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2025

6ain der Bundesrepublik Deutschland,

Antwort

Die Strafverfolgung obliegt den Ländern. Entsprechende Statistiken der Länder sind der Bundesregierung nicht bekannt und eine von den Ländern belieferte Bundesstatistik gibt es nicht.

Frage 6b Seite 4

in der Europäischen Union im Zuge ihrer ggf. unerlaubten Grenzübertritte durch Privatpersonen verletzt bzw. getötet (bitte nach Datum und Ort, Staatsangehörigkeit des Opfers und Todes- bzw. Verletzungsart aufschlüsseln)?

Antwort

Eine Statistik der Europäischen Union für das Jahr 2025 ist der Bundesregierung nicht bekannt.

Frage 7 Seite 4

Wie viele Ermittlungsverfahren wurden diesbezüglich eingeleitet und mit welchem Ergebnis abgeschlossen oder eingestellt (bitte aufschlüsseln)?

Antwort

Die Strafverfolgung obliegt den Ländern. Entsprechende Statistiken der Länder sind der Bundesregierung nicht bekannt und eine von den Ländern belieferte Bundesstatistik besteht nicht. Eine Statistik der Europäischen Union für das Jahr 2025 ist der Bundesregierung nicht bekannt.