Antisemitische Straftaten im ersten Quartal 2026

Drucksache 21/5845Antwortauf die Kleine Anfrage 21/559507.05.202625 Seiten5 FragenFraktion Die LinkeBundesministerium des InnernInnere Sicherheit1 Anlage als PDF
Vorbemerkung der Fragesteller

Vorbemerkung der Fragesteller

Die Zahl antisemitischer Straftaten bewegt sich in der Bundesrepublik Deutschland nach wie vor auf hohem Niveau. Obwohl der übergroße Anteil der Taten dem Rechtsextremismus zuzuordnen ist, zeigen verschiedene Untersuchungen wie beispielsweise die im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung durchgeführten „Mitte-Studien“ (vgl. Mitte-Studie 2025: Die angespannte Mitte; www.fes.de/mitte-studie) oder die Leipziger Autoritarismus-Studie (vgl. Leipziger Autoritarismus-Studie 2024 | Heinrich-Böll-Stiftung; www.boe ll.de/de/leipziger-autoritarismus-studie), dass Antisemitismus in der gesamten Gesellschaft verbreitet ist. Antisemitismus ist Teil der deutschen Geschichte, existiert nach wie vor auch in tradierten Motiven und hat auch Wurzeln in der christlichen Kultur. Antisemitische Straftaten bedrohen jüdische Menschen in Deutschland und stellen einen Angriff auf unsere Demokratie dar. Die Fraktion Die Linke fragt seit 2008 quartalsmäßig die Zahlen antisemitischer Straftaten ab.

Frage 1 Seite 1

Wie viele antisemitische Straftaten wurden nach Kenntnis der Bundesregierung im ersten Quartal 2026 verübt (bitte nach Anzahl, Datum, Art und Motivation der Straftat, Bundesländern und Ort aufschlüsseln)?

Antwort

Für das erste Quartal 2026 wurden dem Bundeskriminalamt (BKA) über den kriminalpolizeilichen Meldedienst – Politisch motivierte Kriminalität (KPMD-PMK) bislang insgesamt 199 Straftaten mit Nennung des Unterthemenfeldes (UTF) „Antisemitisch“ gemeldet, darunter waren acht Gewalttaten sowie 104 Volksverhetzungen (Stichtag: 31. März 2026).

Eine Aufschlüsselung der Straftaten nach Art und Motivation der Straftat sowie nach Bundesländern ergibt sich aus der nachfolgenden Tabelle. Weitergehende

Tabelle auf Seite 2 · 17 Zeilen × 11 Spalten
PMK -rechts-PMK -links-PMK -ausländische Ideologie-PMK -religiöse Ideologie-PMK -sonstige Zuordnung-
LandGewalttatenSonstige StraftatenGewalttatenSonstige StraftatenGewalttatenSonstige StraftatenGewalttatenSonstige StraftatenGewalttatenSonstige Straftaten
BB03302001200
BE0000000000
BW011000201211
BY0300000000
HB0100020100
HE0200010000
HH1900020100
MV0000000000
NI01200120000
NW11800020204
RP01500040014
SH0901010001
SL0200000100
SN0000000000
ST01100000001
TH12500000000
Summe31510311618321

Stand: 31. März 2026

Frage 2 Seite 2

Wie viele Tatverdächtige wurden nach Kenntnis der Bundesregierung wegen antisemitischer Straftaten im ersten Quartal 2026 festgenommen (bitte nach Bundesländern, Art und Motivation der Straftaten aufschlüsseln)?

Antwort

Zu den für das erste Quartal 2026 erfassten 199 politisch motivierten Straftaten mit Nennung des UTF „Antisemitisch“ wurden bislang insgesamt 130 Tatverdächtige ermittelt. Es wurde keine Person festgenommen und kein Haftbefehl erlassen. Die Aufschlüsselung nach Bundesländern, Art und Motivation der Straftaten ist der nachfolgenden Tabelle zu entnehmen.

Tabelle auf Seite 2, 3 · 17 Zeilen × 16 Spalten
PMK -rechts-PMK -links-PMK -ausländische Ideologie-PMK -religiöse Ideologie-PMK -sonstige Zuordnung-
LandTVFHTVFHTVFHTVFHTVFH
BB2200100000300000
BE200000400000200
BW1600000300100400
BY000000000000000
HB200000000100000
HE300000000100000
HH500000100000000
MV000000000000000
NI100000000000000
NW1000000000100100
RP900000000000100
SH500000200000000
SL100000000000000
SN000000000000000
ST1300000000000100
TH1400000000000000
Summe103001001000700900

T = Tatverdächtige, VF = vorläufige Festnahme, H = Haftbefehle; Stand: 31. März 2026

Frage 3 + 3a + 3b + 3c Seite 3

3Wie viele Personen wurden im ersten Quartal 2026 nach Kenntnis der Bundesregierung bei Überfällen mit antisemitischer oder zu vermutender antisemitischer Motivation

3aleicht verletzt,

3bschwer verletzt, bzw.

3cgetötet (bitte nach Bundesländern und Motivation der Straftat aufschlüsseln)?

Antwort

Im ersten Quartal 2026 wurden insgesamt drei Personen infolge einer politisch motivierten Straftat im Zusammenhang mit Nennung des UTF „Antisemitisch“ verletzt. Alle Personen wurden leicht verletzt (jeweils eine in Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz). Es gab keine Todesopfer.

Zwei Personen wurden aufgrund von Straftaten, die dem Phänomenbereich PMK-rechts- zugeordnet sind, leicht verletzt. Eine Person wurde aufgrund von Straftaten, die dem Phänomenbereich PMK-sonstige Zuordnung- zugeordnet sind, leicht verletzt.

Frage 4 Seite 3

Wie viele Nachmeldungen hat es zu den in den Fragen 1 bis 3 erfragten Sachverhalten bis jetzt für das Jahr 2025 gegeben, und wie verteilen sie sich auf die einzelnen Quartale?

Antwort

Eine automatisierte Erhebung der Nachmeldungen für das 1., 2., 3. und 4. Quartal 2025 aus der BKA-Fallzahlendatei ist nicht möglich. Vor diesem Hintergrund werden die aktuellen Fallzahlen mit Stichtag 31. März 2026 aufgeführt:

Im ersten Quartal 2025 wurden bisher insgesamt 1 406 Straftaten mit Nennung des UTF „Antisemitisch“ gemeldet. Darunter waren 33 Gewalttaten, 334 Propagandadelikte und 655 Volksverhetzungen.

Es wurden bislang insgesamt 740 Tatverdächtige ermittelt. Es gab sieben Festnahmen. Es wurde ein Haftbefehl erlassen.

Im ersten Quartal 2025 wurden 19 Personen infolge einer politisch motivierten Straftat mit Nennung des UTF „Antisemitisch“ verletzt. Von diesen wurden 18 Personen leicht und eine schwer verletzt. Es wurden keine Todesopfer gemeldet.

Im zweiten Quartal 2025 wurden bisher insgesamt 1 855 Straftaten mit Nennung des UTF „Antisemitisch“ gemeldet. Darunter waren 44 Gewalttaten, 513 Propagandadelikte und 843 Volksverhetzungen.

Es wurden bislang insgesamt 1 002 Tatverdächtige ermittelt. Es gab 21 Festnahmen. Es wurden keine Haftbefehle erlassen.

Im zweiten Quartal 2025 wurden 31 Personen infolge einer politisch motivierten Straftat mit Nennung des UTF „Antisemitisch“ verletzt. Von diesen wurden alle Personen leicht verletzt. Es wurden keine Todesopfer gemeldet.

Im dritten Quartal 2025 wurden bisher insgesamt 1 992 Straftaten mit Nennung des UTF „Antisemitisch“ gemeldet. Darunter waren 47 Gewalttaten, 693 Propagandadelikte und 757 Volksverhetzungen.

Es wurden bislang insgesamt 1 146 Tatverdächtige ermittelt. Es gab 15 Festnahmen. Es wurde ein Haftbefehl erlassen.

Im dritten Quartal 2025 wurden 21 Personen infolge einer politisch motivierten Straftat mit Nennung des UTF „Antisemitisch“ verletzt. Von diesen wurden alle Personen leicht verletzt. Es wurden keine Todesopfer gemeldet.

Im vierten Quartal 2025 wurden bisher insgesamt 1 396 Straftaten mit Nennung des UTF „Antisemitisch“ gemeldet. Darunter waren 34 Gewalttaten, 359 Propagandadelikte und 559 Volksverhetzungen.

Es wurden bislang insgesamt 680 Tatverdächtige ermittelt. Es gab 48 Festnahmen. Es wurden neun Haftbefehle erlassen.

Im vierten Quartal 2025 wurden 17 Personen infolge einer politisch motivierten Straftat mit Nennung des UTF „Antisemitisch“ verletzt. Von diesen wurden alle Personen leicht verletzt. Es wurden keine Todesopfer gemeldet.

Frage 5 Seite 4

Welche gezielten bundesweiten Operationen der Polizei hat es wegen überregionaler antisemitischer Straftaten mit welchem Ergebnis gegeben?

Antwort

Die Bundesregierung erteilt grundsätzlich keine Auskünfte zu operativen polizeilichen Maßnahmen im Rahmen von laufenden Ermittlungsverfahren, um den Fortgang der Ermittlungen nicht zu gefährden. Aus dem Rechtsstaats- und Gewaltenteilungsprinzip folgt das Gebot, laufende Ermittlungen nicht durch die Preisgabe einzelner Erkenntnisse zu gefährden, um so den staatlichen Rechtsdurchsetzungsanspruch durch die hierfür zuständigen Organe der Rechtspflege zu gewährleisten.

Anlage
AnlageAnlage 1 zur Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Katrin Fey u. a. und der Fraktion Die Linke

PDF-Seiten 5–24 (20 Seiten) · im Originalformat beigefügt, nicht in Tabellen übernommen