Psychische Belastungen in der Arbeitswelt

Drucksache 21/3464Antwortauf die Kleine Anfrage 21/315323.12.202516 Seiten15 FragenFraktion Die LinkeBundesministerium für Arbeit und SozialesArbeit und BeschäftigungGesundheit
Vorbemerkung der Fragesteller

Vorbemerkung der Fragesteller

Psychische Belastung bei der Arbeit hat viele Ursachen – Leistungsverdichtung, mangelnde soziale Unterstützung, überlange und ungünstige Verteilung der Arbeitszeit oder Umgebungsfaktoren wie Lärm, Beleuchtung oder Hitze.

Zusätzlich können externe Faktoren, wie Krieg oder die andauernde Lebenshaltungskostenkrise, eine psychische Belastung für Beschäftigte darstellen. Jüngste Daten aus dem DAK-Gesundheitsreport 2025 bestätigen, dass psychische Erkrankungen unter den Top-3-Gründen für eine Krankschreibung liegen (https://caas.content.dak.de/caas/v1/media/142382/data/8f878876acd7ba6e307 6622bcc006219/gesundheitsreport2025-ebook.pdf). Die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie (GDA) stellt fest, dass sich „angesichts der sich in der Arbeitswelt vollziehenden digitalen Transformation auch Veränderungen der psychischen Belastung bei der Arbeit“ (www.gda-portal.de/DE/GDA/3-G DA-Periode/AP-Psyche) ergeben und hat psychische Belastungen zu einem der Arbeitsschwerpunkte der dritten GDA-Periode (von 2021 bis 2024) erklärt. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde die dritte GDA-Periode bis Ende 2025 verlängert. Auch die Bundesregierung plant die Stärkung der „Prävention von psychischen Erkrankungen“ (Verantwortung für Deutschland. Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD (KoalV), S. 16). Jedoch existiert weiterhin keine Anti-Stress-Verordnung, die aus Sicht der Fragesteller geeignet wäre, Beschäftigte vor den Auswirkungen psychischer Belastung bei der Arbeit zu schützen. Bereits am 3. Mai 2013 hatte der Bundesrat eine entsprechende Verordnung beschlossen (Bundesratsdrucksache 315/13).

Mit dieser Kleinen Anfrage sollen der aktuelle Stand psychischer Belastungen in der Arbeitswelt und die diesbezüglichen Vorhaben der Bundesregierung erfragt werden.

Frage 1 Seite 1

Wie viele Arbeitsunfähigkeitstage (AU-Tage) in Millionen aufgrund von psychischen und Verhaltensstörungen gab es nach aktuellsten Daten nach Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2024, und wie stellen sich diese Werte im Vergleich zu den Jahren 2004, 2009, 2014 und 2019 dar (sollten für das Jahr 2024 keine Daten vorliegen, bitte stattdessen die Daten des jüngsten verfügbaren Jahres verwenden, bitte für die einzelnen Jahre sowohl in absoluten Zahlen als auch als Anteil an allen Diagnosegruppen darstellen, bitte nach Geschlecht, Branche und Alter differenzieren)?

Antwort

Die Arbeitsunfähigkeitstage in Millionen aufgrund von Psychischen und Verhaltensstörungen können der nachfolgenden Tabelle entnommen werden. Die Ergebnisse für die Jahre 2004 und 2009 liegen nicht vor. Eine Unterscheidung nach Branche ist nicht möglich, da die zugrunde liegende amtliche Statistik der gesetzlichen Krankenversicherung dieses Merkmal nicht enthält.

Tabelle auf Seite 2 · 19 Zeilen × 7 Spalten
Arbeitsunfähigkeitstage (AU-Tage) in Millionen aufgrund von Psychischen und Verhaltensstörungen
201420142019201920242024
TageTageTageTageTageTage
Altersgruppenbezeichnungmännlichweiblichmännlichweiblichmännlichweiblich
bis unter 150,000,000,000,000,000,00
15 bis unter 200,240,360,380,540,470,74
20 bis unter 251,292,112,082,833,054,27
25 bis unter 301,993,263,264,594,966,76
30 bis unter 352,463,754,265,896,138,06
35 bis unter 402,524,054,716,576,769,15
40 bis unter 452,994,874,506,746,589,44
45 bis unter 504,026,835,158,045,858,89
50 bis unter 554,367,347,0911,046,5910,15
55 bis unter 603,946,567,6211,749,0613,95
60 bis unter 652,934,206,089,159,9514,77
65 bis unter 700,140,160,340,450,981,37
70 bis unter 750,000,000,000,000,000,00
75 bis unter 800,000,000,000,000,000,00
80 und älter0,000,000,000,000,000,00
Gesamtwert26,8843,5145,4867,5760,3987,55

Datenquelle: Statistik KG8 der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV)

Der Anteil der Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund von Psychischen und Verhaltensstörungen an allen Diagnosegruppen können der nachfolgenden Tabellen entnommen werden. Die Ergebnisse für die Jahre 2004 und 2009 liegen nicht vor. Eine Unterscheidung nach Branche ist nicht möglich, da die zugrunde liegende amtliche Statistik der gesetzlichen Krankenversicherung dieses Merkmal nicht enthält.

Tabelle auf Seite 2, 3 · 18 Zeilen × 7 Spalten
(AU-Tage) in Millionen aufgrund von Psychischen und Verhaltensstörungen, Anteil an allen Diagnosegruppen
201420142019201920242024
Altersgruppenbezeichnungmännlichweiblichmännlichweiblichmännlichweiblich
bis unter 1512,11 %8,76 %0,00 %0,00 %0,00 %0,00 %
15 bis unter 205,27 %10,33 %6,92 %13,63 %5,87 %12,89 %
20 bis unter 259,46 %16,38 %12,67 %19,84 %12,32 %19,94 %
25 bis unter 3012,52 %19,09 %15,44 %21,80 %16,10 %23,29 %
30 bis unter 3514,25 %20,91 %16,64 %23,09 %17,07 %23,80 %
35 bis unter 4014,47 %22,24 %17,36 %24,19 %16,99 %23,55 %
40 bis unter 4513,99 %21,58 %16,49 %23,44 %16,83 %23,07 %
45 bis unter 5013,35 %20,49 %15,24 %21,88 %15,63 %21,34 %
50 bis unter 5512,43 %19,12 %14,45 %20,66 %14,65 %20,27 %
55 bis unter 6011,37 %18,90 %12,98 %20,27 %14,02 %20,66 %
60 bis unter 6511,23 %19,40 %12,66 %20,79 %14,15 %22,17 %
65 bis unter 709,66 %17,30 %11,52 %17,95 %13,51 %20,71 %
70 bis unter 751,80 %3,36 %4,63 %4,46 %3,83 %6,53 %
75 bis unter 802,32 %3,47 %3,46 %2,08 %1,81 %2,54 %
80 und älter0,89 %1,47 %2,12 %1,60 %7,77 %0,18 %
Gesamtwert12,35 %19,66 %14,40 %21,43 %14,98 %21,76 %

Datenquelle: GKV-Statistik KG8

Frage 2 Seite 3

Wie viele durchschnittliche AU-Tage je 100 Versicherte bzw. je GKV-Mitgliedsjahr (GKV = gesetzliche Krankenversicherung) in der Diagnosegruppe Psychische und Verhaltensstörungen gab es nach aktuellsten Daten nach Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2024, und wie stellt sich dieser Wert im Vergleich zu den Jahren 2004, 2009, 2014 und 2019 dar (sollten für das Jahr 2024 keine Daten vorliegen, bitte stattdessen die Daten des jüngsten verfügbaren Jahres verwenden, bitte für die einzelnen Jahre sowohl in absoluten Zahlen als auch als Anteil an allen Diagnosegruppen darstellen, bitte nach Geschlecht, Branchen und Alter differenzieren)?

Antwort

Die durchschnittlichen AU-Tage je 100 Versicherte in der Diagnosegruppe Psychische und Verhaltensstörungen können der nachfolgenden Tabellen entnommen werden.

Tabelle auf Seite 3 · 18 Zeilen × 7 Spalten
AU-Tage je 100 Versicherte aufgrund von Psychischen und Verhaltensstörungen
201420142019201920242024
Altersgruppenbezeichnungmännlichweiblichmännlichweiblichmännlichweiblich
bis unter 1512,118,760,000,000,000,00
15 bis unter 205,2710,336,9213,635,8712,89
20 bis unter 259,4616,3812,6719,8412,3219,94
25 bis unter 3012,5219,0915,4421,8016,1023,29
30 bis unter 3514,2520,9116,6423,0917,0723,80
35 bis unter 4014,4722,2417,3624,1916,9923,55
40 bis unter 4513,9921,5816,4923,4416,8323,07
45 bis unter 5013,3520,4915,2421,8815,6321,34
50 bis unter 5512,4319,1214,4520,6614,6520,27
55 bis unter 6011,3718,9012,9820,2714,0220,66
60 bis unter 6511,2319,4012,6620,7914,1522,17
65 bis unter 709,6617,3011,5217,9513,5120,71
70 bis unter 751,803,364,634,463,836,53
75 bis unter 802,323,473,462,081,812,54
80 und älter0,891,472,121,607,770,18
Gesamtwert12,3519,6614,4021,4314,9821,76

Datenquelle: GKV-Statistik KG 8

Tabelle auf Seite 3, 4 · 18 Zeilen × 7 Spalten
Durchschnittliche AU-Tage je 100 Versicherte aufgrund von Psychischen und Verhaltensstörungen, Anteil an allen Diagnosegruppen
201920192019201920242024
Altersgruppenbezeichnungmännlichweiblichmännlichweiblichmännlichweiblich
bis unter 151,541,610,000,000,000,00
15 bis unter 202,512,953,003,443,233,54
20 bis unter 252,903,283,493,744,014,05
25 bis unter 302,953,243,433,623,994,05
30 bis unter 353,123,223,443,513,964,01
35 bis unter 403,063,103,433,343,893,83
40 bis unter 452,962,843,243,103,783,63
45 bis unter 502,782,653,042,873,493,32
50 bis unter 552,632,512,892,683,293,11
55 bis unter 602,522,492,702,613,103,03
60 bis unter 652,522,542,582,603,023,08
65 bis unter 702,512,562,492,423,003,10
70 bis unter 751,431,182,151,271,762,05
75 bis unter 801,961,531,420,881,061,29
80 und älter1,491,632,922,005,580,52
Gesamtwert2,852,883,093,043,643,55

Datenquelle: GKV-Statistik KG 8

Die Ergebnisse für die Jahre 2004 und 2009 liegen nicht vor. Eine Unterscheidung nach Branche ist nicht möglich, da die zugrunde liegende amtliche Statistik der gesetzlichen Krankenversicherung dieses Merkmal nicht enthält.

Frage 3 Seite 4

Welche Wirtschaftszweige und Wirtschaftsabschnitte bzw. Berufsgruppen und Tätigkeiten weisen nach Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2024 besonders erhöhte Durchschnittszahlen bezüglich der „Diagnosetage je GKV-Mitgliedsjahr“ in der Diagnosegruppe Psychische und Verhaltensstörungen auf (bitte nach Geschlecht differenzieren)?

Antwort

Zahlen für das Jahr 2024, differenziert nach Geschlecht, können der Tabelle TD 9 (Tabellenteil S. 150) des Berichtes „Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit – Berichtsjahr 2024 (www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Bericht e/Suga-2024)“ entnommen werden.

Frage 4 Seite 4

Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung darüber vor, wie die Häufigkeit von AU-Tagen je 100 Versicherte bzw. je GKV-Mitgliedsjahr in der Diagnosegruppe Psychische und Verhaltensstörungen in den verschiedenen Erwerbseinkommensdezilen verteilt ist?

Antwort

Die Häufigkeit von AU-Tagen je 100 Versicherte in der Diagnosegruppe Psychische und Verhaltensstörungen in den verschiedenen Erwerbseinkommensdezilen liegen der Bundesregierung nicht vor. Die zugrunde liegende amtliche Statistik KG 8 der GKV enthält keine Differenzierung nach der Höhe des Erwerbseinkommens.

Frage 5 Seite 5

Wie viele Personen sind nach aktuellsten Daten nach Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2024 wegen verminderter Erwerbsfähigkeit aufgrund psychischer Erkrankungen vorzeitig in die Rente eingetreten, und wie stellt sich dieser Wert im Vergleich zu den Jahren 2004, 2009, 2014 und 2019 dar (sollten für das Jahr 2024 keine Daten vorliegen, bitte stattdessen die Daten des jüngsten verfügbaren Jahres verwenden, bitte für die einzelnen Jahre sowohl in absoluten Zahlen als auch als Anteil an allen Renteneintritten darstellen, bitte nach Geschlecht und Altersgruppen differenzieren)?

Antwort

Die erbetenen Informationen können der nachfolgenden Tabelle entnommen werden.

Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit mit der Diagnosegrundgruppe „Psychische Störungen“, Rentenzugang

Tabelle auf Seite 5, 6 · 30 Zeilen × 10 Spalten
Männer und Frauen BerichtsjahrAnzahl insgesamtAltersgruppe bis 3030–3435–3940–4445–4950–5455–5960 und mehr
2004 Insgesamt169.4604.2355.17412.77919.32526.43941.66847.39912.441
darunter wegen psychischer Störungen52.6682.1672.5475.5997.7669.08812.63211.1671.702
Anteil31,1 %51,2 %49,2 %43,8 %40,2 %34,4 %30,3 %23,6 %13,7 %
2009 Insgesamt173.0284.4934.76310.49318.84427.47941.22352.86912.864
darunter wegen psychischer Störungen64.4692.7732.8485.2149.07012.05114.35615.7692.388
Anteil37,3 %61,7 %59,8 %49,7 %48,1 %43,9 %34,8 %29,8 %18,6 %
2014 Insgesamt170.7843.7625.2319.18115.30624.64939.69148.55224.412
darunter wegen psychischer Störungen72.9722.4713.3705.0478.16112.62016.83517.8696.599
Anteil42,7 %65,7 %64,4 %55,0 %53,3 %51,2 %42,4 %36,8 %27,0 %
2019 Insgesamt161.5342.8774.1039.18510.96217.35032.58849.53834.931
darunter wegen psychischer Störungen67.3211.7492.5304.5705.5508.84014.75719.19610.129
Anteil41,7 %60,8 %61,7 %49,8 %50,6 %51,0 %45,3 %38,8 %29,0 %
2024 Insgesamt171.7322.7153.7899.01011.63013.78325.75351.03054.022
darunter wegen psychischer Störungen72.0951.6762.2224.1615.5076.72211.65321.39818.756
Anteil42,0 %61,7 %58,6 %46,2 %47,4 %48,8 %45,2 %41,9 %34,7 %
2004 Insgesamt96.6002.4292.5776.66810.24314.30623.09428.3518.932
darunter wegen psychischer Störungen25.5511.3191.3152.8953.8534.3045.6345.1811.050
Anteil26,5 %54,3 %51,0 %43,4 %37,6 %30,1 %24,4 %18,3 %11,8 %
2009 Insgesamt92.3262.3872.2055.0548.96013.78122.39929.0998.441
darunter wegen psychischer Störungen29.0061.5361.3902.4104.1665.4285.9886.7711.317
Anteil31,4 %64,3 %63,0 %47,7 %46,5 %39,4 %26,7 %23,3 %15,6 %
2014 Insgesamt86.6401.8022.4084.3256.83611.46420.56425.34413.897
darunter wegen psychischer Störungen31.3011.1941.6112.3383.3895.2497.1707.4982.852
Anteil36,1 %66,3 %66,9 %54,1 %49,6 %45,8 %34,9 %29,6 %20,5 %
2019 Insgesamt79.1341.3581.8044.3154.8557.48715.27024.86619.179
darunter wegen psychischer Störungen27.9128281.1562.0522.3003.4615.8847.8514.380
Anteil35,3 %61,0 %64,1 %47,6 %47,4 %46,2 %38,5 %31,6 %22,8 %
2024 Insgesamt78.9631.2071.5004.0665.0105.43910.90023.30527.536
darunter wegen psychischer Störungen27.8117479161.8022.1962.4564.2917.9897.414
Anteil35,2 %61,9 %61,1 %44,3 %43,8 %45,2 %39,4 %34,3 %26,9 %
Tabelle auf Seite 6, 7 · 15 Zeilen × 10 Spalten
Frauen BerichtsjahrAnzahl insgesamtAltersgruppe bis 3030–3435–3940–4445–4950–5455–5960 und mehr
2004 Insgesamt72.8601.8062.5976.1119.08212.13318.57419.0483.509
darunter wegen psychischer Störungen27.1178481.2322.7043.9134.7846.9985.986652
Anteil37,2 %47,0 %47,4 %44,2 %43,1 %39,4 %37,7 %31,4 %18,6 %
2009 Insgesamt80.7022.1062.5585.4399.88413.69818.82423.7704.423
darunter wegen psychischer Störungen35.4631.2371.4582.8044.9046.6238.3688.9981.071
Anteil43,9 %58,7 %57,0 %51,6 %49,6 %48,4 %44,5 %37,9 %24,2 %
2014 Insgesamt84.1441.9602.8234.8568.47013.18519.12723.20810.515
darunter wegen psychischer Störungen41.6711.2771.7592.7094.7727.3719.66510.3713.747
Anteil49,5 %65,2 %62,3 %55,8 %56,3 %55,9 %50,5 %44,7 %35,6 %
2019 Insgesamt82.4001.5192.2994.8706.1079.86317.31824.67215.752
darunter wegen psychischer Störungen39.4099211.3742.5183.2505.3798.87311.3455.749
Anteil47,8 %60,6 %59,8 %51,7 %53,2 %54,5 %51,2 %46,0 %36,5 %
2024 Insgesamt92.7691.5082.2894.9446.6208.34414.85327.72526.486
darunter wegen psychischer Störungen44.2849291.3062.3593.3114.2667.36213.40911.342
Anteil47,7 %61,6 %57,1 %47,7 %50,0 %51,1 %49,6 %48,4 %42,8 %

Quelle: Statistik der Deutschen Rentenversicherung

Frage 6 Seite 7

Wie viele Personen haben nach aktuellsten Daten nach Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2024 aufgrund psychischer Erkrankungen einen Antrag auf Reha bei ihrem Rentenversicherungsträger gestellt, und wie stellt sich dieser Wert im Vergleich zu den Jahren 2004, 2009, 2014 und 2019 dar (sollten für das Jahr 2024 keine Daten vorliegen, bitte stattdessen die Daten des jüngsten verfügbaren Jahres verwenden, bitte für die einzelnen Jahre sowohl in absoluten Zahlen als auch als Anteil an allen Reha-Anträgen darstellen, bitte nach Geschlecht und Altersgruppen differenzieren)?

Antwort

Entsprechende Daten liegen der Bundesregierung nicht vor. Mit der Antrags- und Erledigungsstatistik der Deutschen Rentenversicherung werden Arbeitsergebnisse eines Kalenderjahres dargestellt. Es werden weder Gründe, warum ein Antrag gestellt wird, noch Diagnosen zum Zeitpunkt der Antragstellung erfasst.

Frage 7 Seite 7

Auf wie viele Tage beliefen sich nach aktuellsten Daten nach Kenntnis der Bundesregierung die durchschnittlichen Ausfallzeiten bei psychischen Erkrankungen im Jahr 2024, und wie stellt sich dieser Wert im Vergleich zu den Jahren 2004, 2009, 2014 und 2019 sowie jeweils im Vergleich zum Durchschnitt aller Erkrankungen dar (sollten für das Jahr 2024 keine Daten vorliegen, bitte stattdessen die Daten des jüngsten verfügbaren Jahres verwenden, bitte nach Geschlecht und Altersgruppen differenzieren)?

Antwort

Die durchschnittlichen AU-Tage bei psychischen Erkrankungen können den nachfolgenden Tabellen entnommen werden.

Tabelle auf Seite 7, 8 · 18 Zeilen × 7 Spalten
Durchschnittlichen AU-Tage bei psychischen Erkrankungen
201420142019201920242024
Altersgruppenbezeichnungmännlichweiblichmännlichweiblichmännlichweiblich
bis unter 1525,2513,000,000,000,000,00
15 bis unter 2012,1714,0016,3218,3014,8716,16
20 bis unter 2518,6320,7525,6227,0024,7325,32
25 bis unter 3023,4126,2531,4233,2730,5432,46
30 bis unter 3527,4329,8934,8237,0934,0436,73
35 bis unter 4029,6532,2139,0139,5736,9738,44
40 bis unter 4532,8833,6341,7140,9740,4240,47
45 bis unter 5034,8534,8345,2943,6042,9241,52
50 bis unter 5537,5336,9248,9145,2348,1945,42
55 bis unter 6041,5940,6052,6448,5554,6050,43
60 bis unter 6555,4053,1163,8359,8772,5766,76
65 bis unter 7067,5167,2173,2567,6495,6588,16
70 bis unter 7519,4917,4234,1720,5725,5126,57
75 bis unter 8024,8223,8321,3314,6015,6518,32
80 und älter19,0020,3949,0028,0090,899,00
Gesamtwert32,7533,8242,7942,4642,2442,41

Datenquelle: KG 8

Tabelle auf Seite 8 · 18 Zeilen × 7 Spalten
Durchschnittlichen Ausfallzeiten (AU-Tage) bei allen Erkrankungen
201420142019201920242024
Altersgruppenbezeichnungmännlichweiblichmännlichweiblichmännlichweiblich
bis unter 1516,358,09194,67322,8911,652,66
15 bis unter 204,854,755,435,334,604,57
20 bis unter 256,426,327,347,226,166,26
25 bis unter 307,938,099,179,207,658,02
30 bis unter 358,799,2810,1310,558,619,16
35 bis unter 409,6910,3811,3811,869,5010,03
40 bis unter 4511,1011,8212,8913,2210,6911,16
45 bis unter 5012,5213,1514,9015,1912,3112,50
50 bis unter 5514,2814,6816,9116,9014,6314,63
55 bis unter 6016,5016,3119,5118,5817,6016,66
60 bis unter 6521,9820,8824,7423,0424,0321,69
65 bis unter 7026,9226,2929,4127,9331,9228,42
70 bis unter 7513,6114,7615,9016,2614,4512,99
75 bis unter 8012,6815,5515,0316,5714,7714,25
80 und älter12,7812,4816,7714,0016,3017,24
Gesamtwert11,4711,7513,8413,9611,6011,96

Datenquelle: KG 8

Die Ergebnisse für die Jahre 2004 und 2009 liegen nicht vor.

Frage 8 Seite 8

Wie hoch waren nach aktuellsten Daten nach Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2024 die Produktionsausfallkosten und Bruttowertschöpfungsausfälle, die durch psychische Erkrankungen verursacht wurden, und wie stellen sich diese Werte im Vergleich zu den Jahren 2004, 2009, 2014 und 2019 dar (sollten für das Jahr 2024 keine Daten vorliegen, bitte stattdessen die Daten des jüngsten verfügbaren Jahres verwenden)?

Antwort

Die jährlichen Berichte zum Stand von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit beinhalten auch Angaben zum Unfall- und Berufskrankheitengeschehen in der Bundesrepublik Deutschland sowie Schätzungen der volkswirtschaftlichen Kosten im Sinne des Produktionsausfalls durch Arbeitsunfähigkeit. Zahlen des Jahres 2024 zu Produktionsausfallkosten und zum Ausfall an Bruttowertschöpfung, die auf die Diagnosegruppe Psychische und Verhaltensstörungen entfallen, sind der Tabelle 7 (Textteil S. 46) des Berichtes „Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit – Berichtsjahr 2024“ (www.baua.de/DE/Angebote/Publikati onen/Berichte/Suga-2024) zu entnehmen. Zahlen der Jahre 2004, 2009, 2014 und 2019 finden sich im:

SuGA-Bericht 2004 – Tabelle 10 (www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Berichte/Suga-2004),

im SUGA-Berlcht 2009 – Tabelle D2

(www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Berichte/Suga-2009),

SUGA-Bericht 2014 – Tabelle 11

www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Berichte/Suga-2014 und

SUGA-Bericht 2019 – Tabelle 10

www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Berichte/Suga-2019.

Frage 9 + 9a + 9b + 9c + 9d + 9e + 9f Seite 9

9Wie häufig sind Beschäftigte nach Kenntnis der Bundesregierung den folgenden Faktoren psychischer Belastung ausgesetzt

9astarker Termin- und Leistungsdruck,

9bverschiedene Arbeiten gleichzeitig machen,

9chäufige Arbeitsunterbrechungen,

9darbeiten an der Grenze der Leistungsfähigkeit,

9eUnterforderung,

9fmonotones Arbeiten (bitte die aktuellen verfügbaren Daten angeben und nach Alter, Geschlecht, Branche sowie Basisarbeit, Facharbeit und hochqualifizierter Arbeit unterteilen)?

Antwort

Aktuelle Zahlen aus der Erwerbstätigenbefragung 2024 des Bundesinstitutes für Berufsausbildung und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2024), differenziert nach Alter, Geschlecht und Branche, können zur Beantwortung der Fragen 9a bis 9c und 9e bis 9f anhand des Datenvisualisierungstools (DataVis) der BIBB/BAuA‑Erwerbstätigenbefragungen (www.baua.de/DE/Themen/Monitoring-Evaluation/Z ahlen-Daten-Fakten/BIBB-BAuA/Datavis) als individuelle Auswertung (als Abbildung und Tabelle; inklusive Downloadmöglichkeiten) zusammengestellt werden.

Differenzierungen nach Einfacharbeit, Facharbeit und hochqualifizierter Arbeit sind zur Beantwortung der Fragen 9a bis 9c und 9f in der Abbildung 2 (S. 13) des Berichtes „Arbeits- und Gesundheitssituation von Erwerbstätigen in der Einfacharbeit“ aufgeführt (Kaboth, Arthur; Lück, Marcel; Hünefeld, Lena; Vegner, Vanessa, 2025. Arbeits- und Gesundheitssituation von Erwerbstätigen in der Einfacharbeit. 1. Auflage. Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. baua: Bericht. www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Berichte/F2518).

Aktuelle Zahlen zur Beantwortung der Frage 9d und mit Blick auf die Differenzierung zu Basisarbeit, Facharbeit und hochqualifizierter Arbeit zur Beantwortung der Frage 9e liegen der Bundesregierung nicht vor.

Frage 10 + 10a + 10b + 10c + 10d + 10e Seite 9

10Wie häufig verfügen nach Kenntnis der Bundesregierung Beschäftigte über die folgenden genannten Ressourcen, um psychischen Belastungen am Arbeitsplatz gewachsen zu sein

10aEinfluss auf die Arbeitsmenge,

10bselbst entscheiden, wann Pausen gemacht werden,

10ceigene Arbeit selbst planen,

10dUnterstützung durch Kolleginnen und Kollegen,

10eUnterstützung durch Vorgesetzte (bitte die aktuellen verfügbaren Daten angeben und nach Alter, Geschlecht, Branche sowie Basisarbeit, Facharbeit und hochqualifizierter Arbeit unterteilen)?

Antwort

Aktuelle Zahlen aus der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2024, differenziert nach Alter, Geschlecht und Branche, können zur Beantwortung der Fragen 10a bis 10e anhand des Datenvisualisierungstools (DataVis) der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragungen (www.baua.de/DE/Themen/Monitoring-Eva luation/Zahlen-Daten-Fakten/BIBB-BAuA/Datavis) als individuelle Auswertung (als Abbildung und Tabelle; inklusive Downloadmöglichkeiten) zusammengestellt werden.

Differenzierungen nach Einfacharbeit, Facharbeit und hochqualifizierter Arbeit sind zur Beantwortung der Fragen 10a bis 10e in der Abbildung 5 (S. 15) des Berichtes „Arbeits- und Gesundheitssituation von Erwerbstätigen in der Einfacharbeit“ aufgeführt (Kaboth, Arthur; Lück, Marcel; Hünefeld, Lena; Vegner, Vanessa, 2025. Arbeits- und Gesundheitssituation von Erwerbstätigen in der Einfacharbeit. 1. Auflage. Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. baua: Bericht. www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Bericht e/F2518).

Frage 11 Seite 10

Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil der Beschäftigten in der Gesamtwirtschaft, für die eine Gefährdungsbeurteilung unter Berücksichtigung psychischer Belastungen durchgeführt wurde (bitte nach Betriebsgrößen und Branchen aufschlüsseln)?

Antwort

Zur Beantwortung der Frage wird auf den Bericht zur Betriebs- und Beschäftigtenbefragung 2023/2024 der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) verwiesen (www.gda-portal.de/SharedDocs/Downloads/DE/25-06-24-B ericht-Betriebsbefragung.pdf).

In der Betriebsbefragung geben 68 Prozent der Betriebe an, eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt zu haben. Von diesen bestätigen 65 Prozent der Betriebe, dabei auch psychische Belastungen wie Stress, Zeit- oder Leistungsdruck berücksichtigt zu haben.

Die Ergebnisse des Berichts zeigen, dass der Anteil der Betriebe mit Gefährdungsbeurteilungen umso höher ist, je größer der Betrieb ist. Der genaue Anteil der Beschäftigten an der Gesamtwirtschaft wurde nicht erhoben und liegt der Bundesregierung nicht vor.

Tabelle auf Seite 10, 11 · 22 Zeilen × 2 Spalten
Tabelle 1
Anteil der Betriebe, deren Gefährdungsbeurteilung das Thema psychische Belastung umfasst
Aufteilung nach Betriebsgröße
1 bis 9 Beschäftigte59,1 %
10 bis 20 Beschäftigte74,3 %
21 bis 49 Beschäftigte75,3 %
50 bis 249 Beschäftigte82,6 %
250 Beschäftigte und mehr78,6 %
Aufteilung nach Branche
Nahrungsmittelerzeugung59,0 %
Bau, Energie und Abfall52,0 %
Produktionsgüter60,2 %
Investitions- und Gebrauchsgüter55,5 %
Verbrauchsgüterproduktion, KFZ-Reparatur und Großhandel66,2 %
Verkehr und Lagerei77,0 %
Einzelhandel und Gastgewerbe54,1 %
Kommunikations-, Finanz- und sonstige Dienstleistungen64,7 %
Dienstleistungen überwiegend für Unternehmen79,2 %
Erziehung und Unterricht79,5 %
Gesundheits- und Sozialwesen75,2 %
Öffentliche Verwaltung63,4 %
Gesamt65,0 %
Anmerkung. n = 2608. Basis sind Betriebe, bei denen Gefährdungsbeurteilungen an den Arbeitsplätzen durchgeführt wurden.
Frage 12 Seite 11

Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die Ursachen für die Zunahme von psychischen Belastungen in der Arbeitswelt vor (bitte herangezogene Quellen benennen)?

Antwort

Psychische Belastungen gewinnen im Zuge der Tertiarisierung, Digitalisierung, Rationalisierung und Flexibilisierung der Arbeitswelt an Bedeutung, und haben sich seit dem Jahr 2012 auf hohem Niveau stabilisiert (vgl. Bundestagsdrucksache 19/3895). Die Ursachen dafür sind multifaktoriell. Die genauen Ursachen für die Entwicklung der arbeitsbezogenen Anforderungen sind schwer empirisch zu belegen.

Empirisch kann jedoch gezeigt werden, dass kognitiv-geistige und sozial-kommunikative Anforderungen sowie Anforderungen an Selbstorganisation und Flexibilität der Beschäftigten zunehmen. Die im Jahr 2024 von der BAuA gemeinsam mit dem BIBB durchgeführte Erwerbstätigenbefragung zeigt, dass psychische Anforderungen den Arbeitsalltag eines großen Teils der Beschäftigten in Deutschland prägen. Etwa zwei von drei Erwerbstätigen berichten, häufig verschiedenartige Arbeiten gleichzeitig betreuen zu müssen. Jeweils mehr als 40 Prozent der Erwerbstätigen sind häufig mit neuen Aufgaben konfrontiert, werden häufig bei ihrer Arbeit unterbrochen und gestört, verrichten häufig ständig wiederkehrende Arbeitsvorgänge und arbeiten häufig unter starkem Termin- oder Leistungsdruck (Quelle: Beck, David; Schuller, Katja (2025). Gefährdungen durch psychische Belastungen – Worum geht es? In: BAuA (Hrsg.), Gefährdungen durch psychische Belastungen bei der Arbeit vermeiden: Gestaltungsanforderungen und -optionen. Berlin: Erich Schmidt Verlag; 11–73.)

Frage 13 Seite 11

Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zu dem Zusammenhang vom empfundenen Druck, permanent erreichbar sein zu müssen, und psychischen Belastungen vor?

Antwort

Aus der Arbeitszeitbefragung 2023 der BAuA geht hervor, dass sich bereits bei der subjektiv wahrgenommenen Erwartung, erreichbar sein zu müssen, Zusammenhänge mit gesundheitlichen Beschwerden zeigen. So schätzten Beschäftigte, die hohe Erreichbarkeitserwartungen erlebten, ihren allgemeinen Gesundheitszustand seltener als sehr gut oder gut ein als Beschäftigte ohne Erreichbarkeitserwartung (Quelle: Nold, Johanna; Entgelmeier, Ines; Kötter, Julius (2024). Flexibilität der Arbeitszeit: Ergebnisse der BAuA-Arbeitszeitbefragung 2023. Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. baua: Bericht kompakt).

Der Arbeitszeitreport 2021 der BAuA liefert Einblicke in die Zusammenhänge zwischen der Erreichbarkeit und Kontaktierung außerhalb der Arbeitszeit und der Zufriedenheit, dem Wohlbefinden und der Gesundheit der Beschäftigten. Ständige Erreichbarkeit geht einher mit mehr gesundheitlichen Beschwerden und einer geringeren Zufriedenheit. Rücken- und Kreuzschmerzen, Schlafstörungen, Müdigkeit und Erschöpfung, Niedergeschlagenheit sowie körperliche Erschöpfung werden häufiger von Beschäftigten genannt, die annehmen, dass ihre Erreichbarkeit erwartet wird, als wenn dies nicht der Fall ist. Am höchsten ist die Belastung für alle Beschwerden, wenn die Beschäftigten tatsächlich kontaktiert werden (Quelle: BAuA (2023). Arbeitszeitreport Deutschland: Ergebnisse der BAuA-Arbeitszeitbefragung 2021. Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin).

Frage 14 Seite 12

Welche Ergebnisse hat die Schwerpunktsetzung im Hinblick auf psychische Erkrankungen in der dritten GDA-Periode, die dieses Jahr zu Ende geht, erbracht?

Antwort

Die 3. GDA-Periode endet am 31. Dezember 2025. Bis dahin finden noch Betriebsbesichtigungen des Aufsichtspersonals der Länder und Unfallversicherungsträger zur Gefährdungsbeurteilung insgesamt und in einem Teil der Betriebe spezifisch zur psychischen Belastung in der Gefährdungsbeurteilung statt. Daten im Hinblick auf psychische Erkrankungen wurden nicht erhoben.

Die finalen Ergebnisse im Arbeitsprogramm Psyche der GDA werden im ersten Quartal 2026 vorliegen. Erste vorläufige Ergebnisse sind aus dem ersten Quartal 2025. Ein vollständiges Bild der zugrundeliegenden betrieblichen Prozesse konnte im Rahmen der stichprobenhaften Besichtigungen durch die Aufsicht nicht erhoben werden.

Zum Berichtszeitpunkt (Quartal 1/25) lagen Daten aus 8 000 Betrieben vor. Insgesamt verfügen 81 Prozent der aufgesuchten Betriebe über eine Gefährdungsbeurteilung zur psychischen Belastung, wobei die Hälfte eine angemessene Gefährdungsbeurteilung aufweisen. 32 Prozent wurden durch das zuständige Aufsichtspersonal nicht als angemessen bewertet. Zwischen den Branchen gibt es deutliche Unterschiede hinsichtlich der Umsetzung der Anforderungen des Arbeitsschutzgesetzes.

Es zeigt sich, dass das Thema Gefährdung durch psychische Belastung von der Aufsicht aufgegriffen wird und im Gesamtspektrum der Arbeitsschutzthemen eine relevante Rolle spielt. Es ist festzuhalten, dass sich in dieser Stichprobe deutlich mehr Betriebe als in der letzten GDA-Periode in ihrer Gefährdungsbeurteilung mit psychischer Belastung befasst haben. Gleichzeitig ist aber auch zu konstatieren, dass noch weiterhin Handlungsbedarf besteht. Das gilt insbesondere für Betriebe, die das Thema noch nicht aufgegriffen haben. Handlungsbedarf für die Aufsicht ergibt sich ferner in den Betrieben, die die entsprechenden Prozesse noch nicht abgeschlossen haben und Beratungsbedarf hinsichtlich der Umsetzung von Maßnahmen oder zur Wirksamkeitskontrolle haben.

Frage 15 Seite 12

Welche Vorhaben plant die Bundesregierung in der laufenden Legislaturperiode, um psychische Belastungen am Arbeitsplatz zu reduzieren und die Prävention psychischer Erkrankungen zu stärken (bitte ausführen und begründen)?

Antwort

Psychische Belastung ist ein Querschnittsfaktor, der alle anderen Gefährdungsfaktoren mit beeinflusst. Daher wird in der Projektgruppe „Psychische Belastungen“ des Ausschusses für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (ASGA) eine Regel erarbeitet, die Inhalte aller anderen Bereiche des Arbeitsschutzes berücksichtigen wird. Ziel ist es, eine Arbeitsschutzregel zu erarbeiten, in der die wesentlichen Gestaltungsanforderungen und -maßnahmen zum Schutz vor Gefährdungen durch psychische Belastungen bei der Arbeit konkretisiert werden, und zwar in den Bereichen (1) Arbeitsaufgabe, (2) Arbeitsorganisation, (3) Arbeitszeit, (4) soziale Beziehungen bei der Arbeit, (5) Arbeitsplatz/-umgebung und (6) Verwendung von Arbeitsmitteln.

Mit der zu erarbeitenden Regel sollen bestehende Konkretisierungslücken geschlossen und die in Arbeitsschutzvorschriften und -regeln bereits konkretisierten Gestaltungsanforderungen und -maßnahmen unter Verwendung einer einheitlichen Terminologie zu einem kohärenten Konzept zum Schutz vor Gefährdungen durch psychische Belastungen zusammengeführt werden. Die zu erarbeitende Regel soll die Handlungssicherheit der Betriebe über die Anforderungen an den Schutz vor Gefährdungen durch psychische Belastungen bei der Arbeit erhöhen und die Prävention arbeitsbedingter Erkrankungen stärken.

Die Rentenversicherungsträger haben im Rahmen von Modellvorhaben eine freiwillige, individuelle und berufsbezogene Gesundheitsvorsorge für Versicherte ab Vollendung des 45. Lebensjahres erprobt (§ 14 Absatz 3 Satz 2 des Sechsten Buches Sozialgesetzbuch). Die Bundesregierung beabsichtigt nun, diesen sogenannten Ü45-Check der gesetzlichen Rentenversicherung unter Berücksichtigung der Evaluationsergebnisse aus der Testphase gesetzlich zu verankern. Der Ü45-Check soll flächendeckend umgesetzt werden. Er soll der frühzeitigen Erkennung von Präventions- und Rehabilitationsbedarfen – auch aufgrund von psychischen Beschwerden oder Erkrankungen – dienen und in der Folge zu einer verstärkten Inanspruchnahme der entsprechenden Leistungen führen.

Dabei ist die Stärkung der Prävention psychischer Erkrankungen eine Querschnittsaufgabe. Wirksame Präventionsaktivitäten in der Arbeitswelt umfassen die Gestaltung menschengerechter Arbeitsbedingungen (Arbeitsschutz), die Förderung der Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten (Gesundheitsförderung), den Erhalt und die Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit (Teilhabe/Rehabilitation), die Ermöglichung der Arbeitsfähigkeit (Integrationshilfe). Damit die einzelnen Bausteine der betrieblichen Präventionsarbeit optimal ihre Wirksamkeit entfalten können, sollten sie zusammengedacht und gut aufeinander abgestimmt sein. Im Rahmen des Programms ARBEIT: SICHER + GESUND (www.arbeit-sicher-und-gesund.de/themen/psychische-gesundheit) wurden Maßnahmen zur Verbesserung der operativen und inhaltlichen Zusammenarbeit im Bereich der psychischen Gesundheit mit Expertinnen und Experten aus den Sozialversicherungszweigen, dem Arbeitsschutz, der Forschung, den Sozialpartnern und der Beratungspraxis diskutiert. Die Ergebnisse werden derzeit ausgewertet.

Im Rahmen des Programms ARBEIT: SICHER+GESUND wurde auf Grundlage der Förderrichtlinie „Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit im Wandel der Arbeitswelt“ vom 15. Oktober 2025 (Rahmenrichtlinie) ein Förderaufruf „Gesunde Arbeit für körperlich stark belastete Berufsgruppen“ (www.arbeit-sic her-und-gesund.de/ansatz/projektfoerderung/asug-foerderaufruf-2026) veröffentlicht. Gefördert werden sollen hier auch Projekte, die die Dimension der psychischen Belastungen ergänzend adressieren.