Antisemitische Straftaten im dritten Quartal 2025

Drucksache 21/2853Antwortauf die Kleine Anfrage 21/266418.11.202551 Seiten5 FragenFraktion Die LinkeBundesministerium des InnernInnere Sicherheit1 Anlage als PDF
Vorbemerkung der Fragesteller

Vorbemerkung der Fragesteller

Die Zahl antisemitischer Straftaten bewegt sich in der Bundesrepublik Deutschland nach wie vor auf hohem Niveau. Obwohl der übergroße Anteil der Taten dem Rechtsextremismus zuzuordnen ist, zeigen verschiedene Untersuchungen wie beispielsweise die im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung durchgeführten „Mitte-Studien“ (vgl. Die distanzierte Mitte: Die neue Rechtsextremismus-Studie; www.fes.de/referat-demokratie-gesellschaft-und-innovati on/gegen-rechtsextremismus/mitte-studie-2023) oder die Leipziger Autoritarismus-Studie (vgl. Leipziger Autoritarismus-Studie 2024 | Heinrich-Böll-Stiftung; www.boell.de/de/leipziger-autoritarismus-studie), dass Antisemitismus in der gesamten Gesellschaft verbreitet ist. Antisemitismus ist Teil der deutschen Geschichte, existiert nach wie vor auch in tradierten Motiven und hat auch Wurzeln in der christlichen Kultur. Antisemitische Straftaten bedrohen jüdische Menschen in Deutschland und stellen einen Angriff auf unsere Demokratie dar. Die Fragesteller erfragen seit 2008 quartalsmäßig die Zahlen antisemitischer Straftaten.

Frage 1 Seite 2

Wie viele antisemitische Straftaten wurden nach Kenntnis der Bundesregierung im dritten Quartal 2025 verübt (bitte nach Anzahl, Datum, Art und Motivation der Straftat, Bundesländern und Ort aufschlüsseln)?

Antwort

Für das dritte Quartal 2025 wurden dem Bundeskriminalamt (BKA) über den kriminalpolizeilichen Meldedienst – Politisch motivierte Kriminalität (KPMD-PMK) bislang insgesamt 602 Straftaten mit Nennung des Unterthemenfeldes (UTF) „Antisemitisch“ gemeldet, darunter waren 18 Gewalttaten sowie 229 Volksverhetzungen (Stichtag: 30. September 2025).

Eine Aufschlüsselung der Straftaten nach Art und Motivation der Straftat sowie nach Ländern ergibt sich aus der nachfolgenden Tabelle. Weitergehende Informationen zu Tatort und Tatzeit sind der beigefügten Tabelle (Anlage) zu entnehmen.*

Tabelle auf Seite 3 · 17 Zeilen × 11 Spalten
PMK -rechts-PMK -links-PMK -ausländische Ideologie-PMK -religiöse Ideologie-PMK -Sonstige Zuordnung-
LandGewalttatenSonstige StraftatenGewalttatenSonstige StraftatenGewalttatenSonstige StraftatenGewalttatenSonstige StraftatenGewalttatenSonstige Straftaten
BB02801020002
BE13102713712505
BW026061311403
BY132021180605
HB0600020000
HE03800130000
HH0200081100
MV01200000015
NI019000120207
NW0150001101110
RP012000600011
SH0200000001
SL0400000100
SN01500030000
ST0300000001
TH12300000000
Summe326801110233340250

Stand: 30. September 2025

AnlageAnlage zur Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage 21/2664 der Abgeordneten Kat

PDF-Seiten 6–50 (45 Seiten) · im Originalformat beigefügt, nicht in Tabellen übernommen

Frage 2 Seite 4

Wie viele Tatverdächtige wurden nach Kenntnis der Bundesregierung wegen antisemitischer Straftaten im dritten Quartal 2025 festgenommen (bitte nach Bundesländern, Art und Motivation der Straftaten aufschlüsseln)?

Antwort

Zu den für das dritte Quartal 2025 erfassten 602 politisch motivierten Straftaten mit Nennung des UTF „Antisemitisch“ wurden bislang insgesamt 258 Tatverdächtige ermittelt. Es wurden sechs Personen festgenommen. Es wurde kein Haftbefehl erlassen. Die Aufschlüsselung nach Ländern, Art und Motivation der Straftaten ist der nachfolgenden Tabelle zu entnehmen.

Tabelle auf Seite 4 · 17 Zeilen × 16 Spalten
PMK -rechts-PMK -links-PMK -ausländische Ideologie-PMK -religiöse Ideologie-PMK -Sonstige Zuordnung-
LandTVFHTVFHTVFHTVFHTVFH
BB700100000000000
BE130010070602800300
BW900100600300100
BY2200000500400200
HB300000000000000
HE1100000200000000
HH000000300000000
MV000000000000400
NI700000100000100
NW400000500100300
RP3000004000001000
SH000000000000100
SL000000000000000
SN800000000000000
ST200000000000000
TH900000000000000
Summe9800300966036002500

T=Tatverdächtige, VF=vorläufige Festnahme, H=Haftbefehle; Stand: 30. September 2025

Frage 3 + 3a + 3b + 3c Seite 4

3Wie viele Personen wurden im dritten Quartal 2025 nach Kenntnis der Bundesregierung bei Überfällen mit antisemitischer oder zu vermutender antisemitischer Motivation

3aleicht verletzt,

3bschwer verletzt bzw.

3cgetötet (bitte nach Bundesländern und Motivation der Straftat aufschlüsseln)?

Antwort

Im dritten Quartal 2025 wurden insgesamt acht Personen infolge einer politisch motivierten Straftat im Zusammenhang mit Nennung des UTF „Antisemitisch“ verletzt. Alle Personen wurden leicht verletzt (jeweils zwei in Baden-Württemberg, Bayern und Hamburg, jeweils eine in Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen). Es gab keine Todesopfer.

Drei Personen wurde aufgrund von Straftaten, die dem Phänomenbereich PMK -religiöse Ideologie- zugeordnet sind, leicht verletzt. Jeweils zwei Personen wurden aufgrund von Straftaten, die dem Phänomenbereich PMK -rechts- und dem Phänomenbereich PMK -ausländische Ideologie- zugeordnet sind, leicht verletzt. Eine Person wurde aufgrund von Straftaten, die dem Phänomenbereich PMK -sonstige Zuordnung- zugeordnet sind, leicht verletzt.

Frage 4 Seite 5

Wie viele Nachmeldungen hat es zu den in den Fragen 1 bis 3 erfragten Sachverhalten bis jetzt für das Jahr 2025 gegeben, und wie verteilen sie sich auf die einzelnen Quartale?

Antwort

Eine automatisierte Erhebung der Nachmeldungen für das erste und zweite Quartal 2025 aus der BKA-Fallzahlendatei ist nicht möglich. Vor diesem Hintergrund werden die aktuellen Fallzahlen mit Stichtag 30. September 2025 aufgeführt:

Im ersten Quartal 2025 wurden bisher insgesamt 1.264 Straftaten mit Nennung des UTF „Antisemitisch“ gemeldet. Darunter waren 30 Gewalttaten, 320 Propagandadelikte und 559 Volksverhetzungen.

Es wurden bislang insgesamt 617 Tatverdächtige ermittelt. Es gab sieben Festnahmen. Es wurde ein Haftbefehl erlassen.

Im ersten Quartal 2025 wurden 16 Personen infolge einer politisch motivierten Straftat mit Nennung des UTF „Antisemitisch“ verletzt. Von diesen wurden 15 Personen leicht und eine schwer verletzt. Es wurden keine Todesopfer gemeldet.

Im zweiten Quartal 2025 wurden bisher insgesamt 1.440 Straftaten mit Nennung des UTF „Antisemitisch“ gemeldet. Darunter waren 37 Gewalttaten, 431 Propagandadelikte und 604 Volksverhetzungen.

Es wurden bislang insgesamt 709 Tatverdächtige ermittelt. Es gab 27 Festnahmen. Es wurden sieben Haftbefehle erlassen.

Im zweiten Quartal 2025 wurden 26 Personen infolge einer politisch motivierten Straftat mit Nennung des UTF „Antisemitisch“ verletzt. Von diesen wurden 26 Personen leicht verletzt. Es wurden keine Todesopfer gemeldet.

Frage 5 Seite 5

Welche gezielten bundesweiten Operationen der Polizei hat es wegen überregionaler antisemitischer Straftaten mit welchem Ergebnis gegeben?

Antwort

Die Bundesregierung erteilt grundsätzlich keine Auskünfte zu operativen polizeilichen Maßnahmen im Rahmen von laufenden Ermittlungsverfahren, um den Fortgang der Ermittlungen nicht zu gefährden. Aus dem Rechtsstaats- und Gewaltenteilungsprinzip folgt das Gebot, laufende Ermittlungen nicht durch die Preisgabe einzelner Erkenntnisse zu gefährden, um so den staatlichen Rechtsdurchsetzungsanspruch durch die hierfür zuständigen Organe der Rechtspflege zu gewährleisten.